Kneipentour - Jules Verne Panoramabar
Wermutwolf

Kneipentour - Jules Verne Panoramabar

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Um in die beliebte Bar unweit des Hauptbahnhofs zu kommen, geht man durch die Brasserie Lipp, bis man am Lift ankommt, den einen bis fast ganz hinauf zum beeindruckenden Stadtpanorama bringt. An diesem Freitag ab 17 Uhr geöffnet, traf ich wie üblich als Erster ein, um ca. 17.10 Uhr, was auch gut war, da man nicht reservieren kann und die Plätze alle im Nu belegt waren.

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Ich lege mir jeweils vorab einen Schlachtplan mit den Kreationen zurecht, die mich am meisten interessieren. Für den Take-Off wählte ich sinngemäss Phileas Fogg’s Fantastische Flugmaschine, mit Tequila, Suze, Agavensirup, Limettensaft, Ginger Beer und einer Minze-Gurken-Deko. Fruchtig-süsslich, sehr schmackhaft:

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Der visionäre Monsieur Verne (1828 – 1905) hätte bei unserem Trinkgelage vermutlich gerne mitgemacht. Ein Inserat von 1898 zeigt verschiedene berühmte Zeitgenossen wie Alexandre Dumas (Die drei Musketiere), Emile Zola (Dreyfus-Affäre) und neben anderen eben auch Jules Verne, die Mariani Wein anpreisen. Jules sagt, Vin Mariani verlängere das Leben, es sei wundervoll:

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Nun, Mariani Wein enthielt neben Bordeaux-Wein auch sechs Milligramm Kokain pro Unze (knapp 30 Milliliter) Wein … Als man das Produkt in die USA exportierte, erhöhte man den Anteil Kokain sogar noch auf 7,2 mg pro Flüssigunze. Als dort die Prohibition eingeführt wurde, imitierte Dr. John Stith Pemberton den Mariani Wein ohne den Alkohol und nannte es Coca Cola. Später wurde dann natürlich auch das Kokain weggelassen.

Bei uns ging es nun weiter in der Cocktail-Parade, mit dem Lincoln Island Shrub (Pisco, Aperol, Limettensaft, Erdbeersaft, Basilikum, Grenadine, Eiweiss und Soda Wasser). Betörend, grossartig:

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Dann folgte der Tikal, mit dem feinen Zacapa 23yr-Rum, Barolo Chinato, Campari und Schokoladen-Bitters. Auch äusserst lecker, eine ausgeprägte Bitterkeit, die mit einer leichten Süsse einhergeht:

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Der LindenBrock’s Expidition war dann doch ziemlich Geschmacksache. Inhalt: Rum, Chambord (ein Beeren-Likör), Brombeer-Purée, Zitronensaft, Preiselbeersaft und Kastanien. Und letzteres erzeugte einen für mich etwas gewöhnungsbedürftigen Nachgeschmack:

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Der Jamaican Mule (Jules Verne-Style) war dann wieder sehr zugänglich/erfreulich. Der Rum, das Mango-Purée, der Limettensaft und das Ginger Beer ergaben eine fruchtig-runde Mischung:

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Zum Abschluss gabs dann ein richtiges Powerhouse! Der Bonadventure enthielt Mezcal, Cointreau, Limettensaft, Mango-Purée und Agaven-Sirup. So weit, so schön. Der Glasrand erzeugte dann aber zusätzlich noch ein eindrückliches Jalapeno-Feuer! Sicher nicht jedermanns Geschmack, gefiel mir dieses gute Abenteuer, nachdem sich der Gaumen an die Schärfe gewöhnt hatte, ausgezeichnet:

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Eigentlich war der ursprüngliche Plan, zuerst unten in der Brasserie Lipp sogenannt «Boden zu schaffen», ein Nahrungsfundament für die folgende Alkoholschwemme zu legen. Als wir nach 17 Uhr jedoch realisierten, dass wir später niemals noch einen Tisch in der Bar ergattern könnten, organisierten wir uns um und legten flexibel-umgekehrt halt einen Flüssig-Boden für die darauf folgende Schlemmerei …

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Im Editorial des geschätzten Punch-Newsletters (Washington) vom 22. Februar 2025 schrieb die leitende Redaktorin Jess Mayhugh über das neue, befremdende Verhalten der Jüngeren in Bars. Einerseits konsumierten sie viel weniger, lümmelten aber trotzdem lang herum. Ferner werde nach jeder Runde die Rechnung verlangt. Das habe alles seine Gründe («shit is expensive!»), die zeitnahen, wiederkehrenden Zahlungen seien teils, um sich vor den eigenen klammen Finanzen zu schützen oder auch um spontanes Aufbrechen zu ermöglichen. Jedenfalls musste ich bei der Lektüre daran denken, wie gross der Kontrast zu unseren jeweiligen Kneipentouren ist.

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In der Brasserie hat es zum Beispiel eine Meeresfrüchte-Platte auf der Speisekarte, die man für schlappe CHF 549.– bestellen kann. Unsere Gesamtrechnung für die Bar plus die Brasserie zusammen war bedeutend höher als das und entspricht teils einem mehrfachen Monatslohn in anderen Ländern. Solche Unterschiede zwischen Alt und Jung oder einem reichen und einem finanziell ärmeren Land gehen in Ordnung, aber man wäre ein Narr wenn man die Annehmlichkeiten nicht entsprechend dankbar schätzen würde.

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Die Panorama-Aussicht oben in der Panorama-Bar

In der Brasserie Lipp unten genoss ich zu reichlich Pinot Noir vom Bündner Weingut Marugg zuerst eine typisch-währschafte, französische Zwiebel-Gruyeres-Brot-Suppe, dessen Sättigungsgrad theoretisch schon ausreichend gewesen wäre. Glücklicherweise war dann die anschliessende Hauptgericht-Portion schön moderat, dafür mit umso grösserem Genussfaktor: Artischocken-Trüffel-Risotto. Als ich danach 2 cl Glenmorangie bestelle, lässt mich der Kellner wissen, dass 4 cl das Minimum sei, wofür ich ihm voll und ganz zustimmte …

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Das kleine, aber extrem feine Artischocken-Trüffel-Risotto

Eine herrliche Genuss-Orgie neigte sich dem Ende zu. Zwischenzeitlich überlegten wir uns, ob wir der Sternwarte zuoberst noch einen Besuch abstatten wollten. Ich hätte mir gerne angeschaut, wohin genau der Elon Menschen raufschiessen will, doch waren uns die terrestrischen Abenteuer an diesem Abend wichtiger.

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PS: Rein theoretisch könnte man auch Treppen steigen, um hinauf zu kommen. Für diesen Fall empfehle ich dringend, das nicht betrunken wie Pasetout («In 80 Tagen um die Welt») zu versuchen …