
Rons Pilze-Guide

VORBEREITUNG
Wanderschuhe
Jedes Schulkind ist vermutlich besser ausgerüstet als du. Aber lass die Sneaker für einmal weg und zieh lieber solides Schuhwerk an. Pilze sammeln ist zwar sehr erholsam und beruhigend, du wirst aber auch dichtes Gestrüpp oder unebene Waldböden durchqueren müssen. Eine Art Off-Road-Spaziergang also.
Korb
Für Pilze eignet sich ein offener Behälter am besten. Ideal ist ein Flechtkorb, dieser lässt genügend Luft durch und sieht auch hübsch aus. Plastiktaschen sind eher ungeeignet, da die Pilze darin schwitzen und das bedeutet: sie verlieren Eiweiss, schimmeln schnell und werden ungeniessbar.
Messer
Abschneiden oder abdrehen? Pilzexperten streiten sich drum, was nun die bessere Methode ist. Beide sollen den Pilz schonen, damit er nach dem Ernten schnell nachwachsen kann. WSL, die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft, stellte in einer Langzeitstudie jedoch keinen Unterschied der beiden Methoden fest. Nimm trotzdem ein Messer mit, damit kannst du die Pilze besser entfernen, Schmutz abkratzen oder einen schönen Wanderstock schnitzen.
Pilz-App
Nicht jeder kann ein solch grosses Pilz-Wissen haben wie Grosi Ron. Aber wozu soll man heutzutage noch selber denken, wenn man ein Handy hat? Es gibt unzählige Pilz-Apps, die mehr oder weniger gut funktionieren. Fast alle haben ein umfangreiches Lexikon, mit denen du deine gefundenen Pilze vergleichen kannst. Einige haben sogar eine Fotoerkennung. Aber Achtung: 2020 hat Kassensturz Pilz-Apps getestet – mit besorgniserrgenden Ergebnissen.
Zugegeben, die Fotoerkennung ist seither um einiges besser geworden. Dennoch ersetzt eine App niemals den Gang zur nächstgelegenen Pilz-Kontrollstelle. Dort wird dir gesagt, welche Pilze du gesammelt hast und welche davon essbar sind. Weitere nützliche Informationen findest du bei Vapko, der Vereinigung amtlicher Pilzkontrollorgane der Schweiz. Eine Weisheit besagt: Nur das essen, was man kennt.

WANN UND WO?
Standort
Auch wenn sich Pilzexperten darüber streiten, ob abschneiden oder abdrehen — eines haben sie gemeinsam: Keiner verrät seinen besten Pilzort. Auch Grosi Ron hielt ihre besten Plätze vor mir geheim. Zum Glück wachsen Pilze aber so gut wie überall. Du kannst dir also irgendein Wäldchen aussuchen und munter reinspazieren. Das wissen aber auch andere, darum lautet der Tipp: Je abgeschiedener, desto besser. Wenn du es auf eine bestimmte Pilzsorte abgesehen hast, dann kannst du auch den digitalen Verbreitungsatlas von SwissFungi konsultieren, um zu erfahren, wo die Wahrscheinlichkeit am grössten ist, auf diese Sorte zu treffen.
Zeit
Ein festes Pilz-Märchen besagt, dass man frühmorgens auf die Jagd gehen soll. Pilze wachsen aber rund um die Uhr und es ist ihnen egal, ob du sie am Morgen oder Abend pflückst. Wer jedoch seine Pilzjäger-Konkurrenz schlagen will, sollte eher früh raus.
Vorsicht: In vielen Kantonen gelten Schonfristen fürs Pilzesammeln. Informiere dich im Vorhinein, wann du wo sammeln darfst.
Leicht erkennbare Pilze
Wer kein Experte ist oder nicht mit dem Lexikon durch den Wald stampfen möchte, kann sich an untenstehende Pilze halten. Absolute Anfänger können sich auch auf Röhrlinge konzentrieren. Die Pilze mit der schwammigen Hutunterseite sind fast alle geniessbar. Trotzdem, ich sage es nochmal: Du solltest deine Pilze immer von der Pilzkontrolle untersuchen lassen.
Vorsicht: Auch die maximale Sammelmenge an Pilzen pro Person und Tag ist vielerorts beschränkt. Meist sind es 1 oder 2 kg.

Steinpilz
Fundorte: Gerne in Nähe von Eichen, Fichten und Kiefern
Hut: Braun und dick
Hutunterseite: Schwammig, weiss-gelblich (Röhrling)
Stiel: Weiss und leicht keulenförmig
Fleisch: fest und weiss

Eierschwämmli
Fundorte: Gerne im Moos unter Buchen, Eichen und Birken.
Hut: Gelb und wellig
Hutunterseite: Faltige Leisten, die weit am Stiel herablaufen
Stiel: Gelb und zylindrisch
Fleisch: Weisslich bis blassgelb
Besonderheit: Die Pilze heissen auch Pfifferlinge. Der Spruch «Du bist keinen Pfifferling wert», wurde schon im 16. Jahrhundert gebraucht. Während der feine Speisepilz heute geschätzt wird, war er früher verpönt. Der Pfifferling kam in so grossen Mengen daher, dass er fast wertlos war.

Parasol
Fundorte: Gerne in Lichtungen und Waldrändern
Hut: Hellbraun mit aufgerissenen Schüppchen. Breit wie ein Regenschirm.
Hutunterseite: weiche, weisse Lamellen
Stiel: Schlank und faserig. Dicker Ring unter Hut.
Fleisch: Weich und hellbraun

Marone
Fundort: Gerne unter Fichten, Kiefern oder Rotbuchen. Auf sauren Böden (Sand, Lehm).
Hut: Braun, glatt und feucht schmierig
Hutunterseite: Schwammig und gelb-grünlich. Auf Druck blaugrün verfärbend. (Röhrling)
Stiel: Zylindrisch, längs gefasert
Fleisch: Weiss bis gelblich, bläulich verfärbend

Edelreizker
Fundort: Nur unter Kiefern
Hut: Rund, weiss mit hellbraunen Fleckenmuster
Hutunterseite: Orangene Lamellen
Stiel: Weisslich mit orangenen «Grübchen» gesprenkelt
Fleisch: Rötlich und brüchig

Rotkappen
Fundort: Gerne unter Eichen und Espen
Hut: Braunrot und filzig. Zuerst fast kugelig, dann breit und flach gewölbt
Hutunterseite: Grauweiss, sehr schwammig, leicht ablösbar (Röhrling)
Stiel: Weiss, oft schwarz gefleckt und zylindrisch
Fleisch: Weiss und auf Druck graulila verfärbend
