
Armut aus der Traumfabrik

«Shoplifters» (2018)
2020 hat die südkoreanische Tragikomödie «Parasite» den Oscar für den besten internationalen Film abgeräumt. Absolut verdient, notabene. Die Macher von «Shoplifters» dürfte dies hingegen ein bisschen gefuchst haben – ein Jahr zuvor war das japanische Drama, dessen Plot dem vom «Parasite» ziemlich ähnlich ist, in derselben Kategorie nominiert. Auch in «Shoplifters» sieht sich eine Familie mit den verschiedenen Herausforderungen der Armut konfrontiert. Ihre Ausflüge in die Illegalität sind allerdings nicht ganz so radikal wie diejenige der Kims in «Parasite». Ihrer Notlage begegnen die Ladendiebe stattdessen mit Würde, Herz und unzertrennlichen Zusammenhalt. Gleichzeitig erinnert «Shoplifters» daran, dass es keine Blutsverwandtschaft braucht, um eine Familie zu sein – das Schicksal bringt Menschen ebenso so nahe zusammen. Vielleicht sogar noch näher.
«Slumdog Millionaire» (2008)
«Slumdog Millionaire»ist ein wilder Ritt durch die Strassen von Mumbai, wo Schicksal auf die harte Realität von Indiens Kasten-System trifft. Der Film begleitet Jamal, ein Strassenkind, das bei «Wer wird Millionär» landet und aus zu Beginn unerklärlichen Gründen auf sämtliche Fragen die richtige Antwort parat hat. Danny Boyles Drama schafft dabei den perfekten Spagat aus kurzweiliger Unterhaltung und sensiblen Annäherungsversuchen an eine vielschichtige Kultur.
Caritas Schweiz unterstützt Kinder und Erwachsene in prekären
Situationen in rund 20 Ländern weltweit in den Bereichen Einkommen, Klima und Migration.
>>> So engagiert sich die Caritas weltweit <<<

«Das Mädchen Wadjda» (2012)
Wadjda hätte gern ein grünes Fahrrad. Eigentlich ist es ein bescheidener Wunsch, allerdings lebt Wadjda in Riad, wo Mädchen selten gesehen, geschweige denn gehört werden. Das Verlangen nach einem Velo nimmt damit schnell mal revolutionäre Ausmasse an. Unter der Regie von Haifaa al-Mansour, der ersten weiblichen Filmemacherin Saudi-Arabiens, folgt der Film seiner jungen Protagonistin, wie sie intrigiert, spart und schliesslich rebelliert, um sich ihren Herzenswunsch zu erfüllen. «Das Mädchen Wadjda» zeichnet ein ehrliches und gleichzeitig hoffnungsvolles Bild von einem Land, in dem Träume wie Wadjdas still und hartnäckig spriessen können – selbst dort, wo ihnen kaum Raum gegeben wird.
«Tokyo Godfathers» (2003)
In meiner Welt wäre «Tokyo Godfathers» genauso Teil von der alljährlichen Weihnachtsplaylist wie «Kevin – Allein zu Haus», «Love Actually» und «Drei Nüsse für Aschenbrödel». Der Kult-Anime handelt am Rande der Gesellschaft – einer ehemaligen Drag Queen, einer Ausreisserin und einem hässigen Alkoholiker – die an Heiligabend auf ein ausgesetztes Baby stossen. Ihre Mission, das Baby wieder mit seinen Eltern zu vereinen, führt sie durch die verschneiten Strassen Tokios auf eine Reise voller Herz, Humor und Wunder.
Millionen von Menschen sind von Armut betroffen. Krisen, Kriege, Katastrophen und der Klimawandel bedrohen ihre Existenzgrundlage. Die Caritas unterstützt
Menschen in prekären Lebenssituationen dabei, neue Perspektiven zu schaffen.
«Hilfe, wo sie am dringendsten gebraucht wird.»

«Der Verdingbub» (2011)
Es scheint fast surreal, dass die Schweiz, die heute als eines der wohlhabendsten und stabilsten Länder gilt, einst Verdingkinder hatte. Diese Kinder, oft aus armen oder schwierigen Verhältnissen, wurden bis in die 1960er-Jahre als Zwangsarbeitende auf Bauernhöfen eingesetzt, wo man sie mit einem Mix aus Käserinden und Stockschlägen gefügig machte. «Der Verdingbub» vom Berner Regisseur Markus Imboden erzählt dieses dunkle Stück Schweizer Geschichte auf brutal ehrliche Weise.
«Arm in der Schweiz – Betroffene erzählen» (2024)
Beim Verdingbub konnte ich auf die Vergangenheitsform zurückgreifen, die Armut ist in der Schweiz aber auch heute noch beängstigend präsent, respektive ist sie das eben nicht, wie diese SRF-Doku eindrücklich zeigt. Obwohl über 700’000 Personen hierzulande unter dem Existenzminimum leben, bleiben diese weitgehend unsichtbar. Dieser Film möchte das ändern und zeigt Porträts von Menschen, die jeden Rappen umdrehen müssen. Dazu stellt «Arm in der Schweiz – Betroffene erzählen» auch die Frage, was es bedeutet, in einem der reichsten Länder der Welt arm zu sein, was leider eine unbequeme Tatsache klar macht: Armut ist überall. Manchmal auch in der Wohnung nebenan.
Die Projekte der Caritas fördern die Teilhabe am gesellschaftlichen
Leben und schaffen Handlungsspielraum für Armutsbetroffene in der Schweiz und im Ausland.
>>> mehr erfahren <<<
«The Florida Project» (2017)
Wer durch das marode Netz von Amerikas überforderten Sozialstaat rutscht, kommt schnell ganz unten an. Diese Erfahrung macht auch die ehemalige Stripperin Halley, die versucht, ihr Leben geradezubiegen, während sie gleichzeitig daran scheitert, ihrer endlos optimistischen Tochter eine gute Mutter zu sein. Sean Baker, der Regisseur und Drehbuchautor von «The Florida Project», hatte bereits zwei Jahre zuvor mit «Tangerine» gezeigt, dass er ein gutes Gespür für die Thematik hat und liefert meiner Meinung nach mit dem Film sein bisher bestes Werk.