
Das Universum in meinem Wohnzimmer
Es ist perfekt
Eine kinderfreie Frau als erste Frau auf einer Mondmission zu sehen. Koch ist eine absolute Legende im All: Sie hielt bereits den Rekord für den längsten ununterbrochenen Weltraumflug einer Frau mit 328 Tagen auf der ISS. Insgesamt hat sie bereits 42 Stunden im Vakuum des Weltalls bei Aussenbordeinsätzen verbracht.
Sie ist für uns alle dort – für alle Frauen, die über ihren Tellerrand hinaussehen und den Mut haben, das Narrativ zu sprengen.
Die Mission trägt den Namen Artemis – die Beschützerin der Frauen und Mädchen, die Göttin des Mondes. Die Raumkapsel wurde Orion genannt, nach ihrem Jagdbegleiter.Orion war das erste Sternbild, das ich als Kind am Himmel erkannte. Die drei hellsten Sterne in seinem Gürtel begleiten mich also schon fast mein gesamtes Leben. Sie heissen Alnitak, Alnilam und Mintaka. Mit der App «Star Walk», die kostenlos ist, kannst du sie auch suchen gehen. Unsere kleine menschliche Raumkapsel war während der Mission ebenfalls in der App sichtbar; man konnte sie also auch dort verfolgen, nicht nur im Livestream. Wenn du dich beeilst, werden sie noch sichtbar sein.
Universum overload
Wenn ich also nicht gerade gearbeitet habe, lief seit dem 1. April in jeder freien Sekunde der NASA-Livestream auf meiner Leinwand im Wohnzimmer. Die ganze Mission fühlte sich für mich eher so an, als wäre ich mittendrin dabei – direkt von meinem Sofa aus. Das «Gleiten» durch das All war und ist unglaublich. Durch die grosse Leinwand fühlte es sich nachts an, als wäre ich auch dort und nicht im Wohnzimmer. Die Pressekonferenz war super getimt: Gleich nach meinem Feierabend blieb sogar noch Zeit für einen kleinen Snack und eine schnelle Dusche – eine wunderbare Synchronizität. Du erinnerst dich: die Magie der Realisten.
Ein Moment für die Ewigkeit
Als im NASA-Livestream die Marke für den am weitesten von Menschen erreichten Punkt im All durchbrochen wurde, habe ich Freudentränen geweint und in die Hände geklatscht. *Autistic Joy* in ihrer schönsten Form: losgelöst und ungefiltert. Es hat sich nach Fortschritt angefühlt in einer Welt, die gefühlt eher rückwärts als vorwärts geht, besonders für Frauen. Zeugin zu sein, wie Mission Control mit Koch im Weltall sprach, die gerade gemeinsam mit ihren Kollegen Geschichte geschrieben hatte, bewegte mich unglaublich. Besonders rührend fand ich, dass ein Krater den Namen Carol erhielt, nach der verstorbenen Frau von Commander Reid Wiseman. Auch die Musikauswahl zum Wecken der Crew war fantastisch – wobei ich der NASA eines niemals verzeihen werde: Dass sie ausgerechnet beim Chorus von «Pink Pony Club» die Übertragung gekappt haben! Die Crew sah das übrigens ähnlich. *Why would you do that? WHY?*
Dass die diverse Crew auch noch öffentlich politisch Rückgrat zeigte, war wirklich *Chef’s Kiss*. Sie haben Trump einfach im Regen stehen lassen – es war köstlich. Ich habe mich eh gefragt, was er eigentlich von der diversen Crew wollte, nachdem er der NASA die Gelder gestrichen hatte und gegen Diversity ist. Sein Anruf hat mich daran erinnert, dass die neurotypische Welt sich gerne mit neurodivergenten Menschen schmückt, wenn es ihnen nützt – wie aktuell beim Autism Awareness Month.
Was wir brauchen, ist ein ACTION Month!
Da könnten Unternehmen ihre Inklusionskonzepte vorstellen, neurodivergente Talente über ihren Alltag in diesen Firmen sprechen, Investor:innen in Inklusion investieren und all das tun, was uns wirklich weiterbringt. Aber diesen Rant spare ich mir für LinkedIn auf, damit ihn auch die richtigen Menschen lesen.
Ich verlasse dich jetzt, um weiter durch das Weltall zu floaten. Und wenn du eine ruhige Minute hast: Blick in den Himmel und erinnere dich daran, auf welch einem wundervollen Planeten wir leben
