Es läuft wieder flüssig - Afro-Pfingsten 2026

Es läuft wieder flüssig - Afro-Pfingsten 2026

image

2014 gegründet, werden die Biere der drei in Äthiopien geborenen und in der Ostschweiz gross gewordenen Gründer seit 2023 in der Brauerei Locher abgefüllt. Wie seine zwei Mitstreiter wuchs Braumeister Abate Yimam (Bild) im Kinderdorf Pestalozzi in Trogen (Appenzell Ausserhoden) auf. Zuerst handelten sie mit Gewürzen, bevor sie auf das Handwerk von Yimam setzten, was sich für uns Bierliebhaber als Glücksfall herausstellt.

 

Das Besondere an den Bieren von Nubia Brew ist die Verwendung von alten afrikanischen Getreidesorten wie Teff (Zwerghirse) und Sorghum-Hirse sowie feinen Gewürzen:

 

  • Georgis Premium (4,8%): Ein mild-fruchtiges, helles Bier, das unter Verwendung von Teff (Zwerghirse) gebraut wird.
  • Mulu Amber (5,0%): Ein bernsteinfarbenes, süsslich-herbes Bier, bei dem Sorghum und Zwerghirse zum Einsatz kommen.
  • Cardamom Beer (4,5%): Ein sehr charaktervolles, würzig-herbes Bier. Die Kombination aus Hirse und Kardamom sorgt für ein intensiv-würziges Aroma, das unter Kennern besonders geschätzt wird.
  • Black Beer (5,5%): Ein dunkles, malzbetontes Schwarzbier (27 IBU) mit ausgeprägten Karamell- und Röstaromen, ebenfalls auf Basis äthiopischer Hirse gebraut.

 

Am Nubia-Stand probierte ich das Amber- sowie das Schwarz-Bier, welche mich beide mit eigenem, vollem Geschmack und Charakter beglückten. Zuhause bestellte ich mir dann gleich kistenweise von allen vier Sorten.

image

Während in der Schweiz streng kontrolliert und filtriert wird, ist das traditionelle Bier Äthiopiens (bekannt als Tella) ein lebendiges, oft rauchiges und saures Alltagsgetränk, das meist zu Hause von Frauen gebraut wird. Die Macher von Nubia Brew haben genau diese Brücke geschlagen. Weil ein rein traditionelles Tella in Schweizer Supermärkten wegen der fehlenden Haltbarkeit und der extremen Geschmacksschwankungen kaum verkäuflich wäre, nehmen sie die äthiopischen Rohstoffe (Teff, Sorghum, Kardamom) und brauen sie nach der Schweizer Methode (kontrollierte Hefe, saubere Filtration, moderne Brauanlage bei Locher). So entsteht ein stabiles, klares Bier, das dennoch die afrikanische Seele in sich trägt.

image

Der äthiopische Biermarkt gehört zu den am schnellsten wachsenden der Welt. Es gibt aktuell rund 12 grosse Braustätten, die allerdings fast alle von fünf bis sechs riesigen, teils internationalen Konzernen kontrolliert werden. Ausserhalb der grossen Städte und im Alltag der ländlichen Bevölkerung ist das Heimbrauen nach wie vor die wichtigste Bezugsquelle für Bier. Das traditionelle Hirsebier Tella wird landesweit auf unfassbare 8 Millionen Hektoliter pro Jahr geschätzt.

 

Anschliessend stiessen wir im Getümmel auf einen Platz, wo gerade eine Percussion-Tanzeinlage im Gang war:

Meine geschulten Adleraugen erspähten dahinter einen Stand mit Rum. Und dieser Rum entpuppte sich als Volltreffer! Halisi Rhum aus Benin in Westafrika basiert im Gegensatz zu den meisten industriellen Rums nicht auf Melasse (einem Nebenerzeugnis der Zuckerproduktion), sondern aus frischem, gepresstem Zuckerrohrsaft. Häufig kommt dabei die aromatische Canne Noire (schwarzes Zuckerrohr) zum Einsatz. Stilistisch bewegt er sich damit im Bereich der Rhums Agricoles. Die gesamte Produktion verzichtet konsequent auf künstliche Farb- oder Konservierungsstoffe.

image

Der gepresste Saft wird ausschließlich mit natürlichen, wilden Hefen vergoren. Während die Hefe bei industriellen Rums oft nur wenige Stunden oder Tage arbeitet, lässt Halisi der Maische satte vier Wochen Zeit. Diese extrem lange Gärung sorgt für eine außergewöhnliche Tiefe und ein sehr komplexes, fruchtig-vegetales Aromenprofil, bevor es in die Destillation geht.

image

Ich entschied mich dafür, die Variante mit Ingwer und Chili zu versuchen. Die Dame am Stand hat mir die mit Abstand geringste Probiermenge in den Degu-Becher eingeschenkt, die ich jemals erhalten habe. Ich musste den Becher lange stürzen, bis sich ein, zwei, vielleicht sogar drei Tropfen lösten. Aber nun gut, es reichte, um mich zu überzeugen. Das ist die Art Rum, die man gerne anderen anbietet, um sich ein Lob für den guten Geschmack zu erhaschen …

image

Abschliessend gingen wir am Bahnhof Winterthur vorbei, wo nur wenige Tage danach ein Radikaler auf mehrere Passanten mit dem Messer losgegangen ist, ins Nooba, um uns mit einem Drink im Schatten abzukühlen. Ich entschied mich für den Asian Mojito-Signature Cocktail, gemäss der vorherigen Inspiration auch wieder mit Rum, Ingwer und Chili, plus Minze, Mangosaft und Limette. 

image

Und meine Güte, das krönte meinen Rückkehr-Tag in die Welt der alkoholischen Getränke so richtig. Die Frische, die Schärfe, die Balance, wundervoll! I’m back! Cheers!