
Eye Candy im Juli: melinjin
Hallo melinjin, magst du dich kurz vorstellen und etwas zu deinem Werdegang erzählen?
Hi! Also ich würde mich als eine Person beschreiben, die unfassbar gerne Neues lernt, daher ist mein Werdegang auch viel zu lang. Aber im Grunde dreht sich bei mir immer alles darum, kreativ zu sein. Egal ob digital oder analog.
Wo bist du daheim?
In Winti <3
Und wo fühlst du dich daheim?
Im Wasser! Und überall da, wo ich mit Freunden bin. Das letzte Mal kam dieses Daheim-Gefühl sogar bei einem Konzert auf. So eine Mischung aus Nostalgie und «Macht Platz, ich richte mich jetzt häuslich ein. Genau hier, in diesem Moment, bleibe ich».
Wie würdest du deinen Stil beschreiben?
Ich liebe es, Tiere und Pflanzen zu zeichnen, aber gleichzeitig auch nicht die Realität abzubilden. Sie ein wenig zu vermischen oder einfach neu zu erfinden. Halt auf dem schmalen Grat zwischen der Wirklichkeit und der Fantasie. Ich mag es, starke Hell-Dunkel-Kontraste zu verwenden und zwischen Minimalismus und Detailreichtum zu balancieren.
Was möchtest du damit auslösen?
Ehrlich gesagt, nichts Besonderes. Ich möchte einfach die Welt ein bisschen schöner machen und die Zeit beim Zeichnen geniessen. Wenn ein Werk jemandem gefällt oder eine persönliche Erinnerung weckt, umso besser:
Welcher Song beflügelt dich?
Zum Arbeiten grabe ich meistens die komplette, furchtbare 90er- und 00er-Palette aus. Und kürzlich erst entdeckt: «Dackel» von Zorsch und Kurt, wie habe ich 11 Jahre gelebt, ohne diesen doofen, doch genialen Song zu kennen?! Grossartig! Aber um meinen Musikgeschmack nicht komplett in den Ruin zu treiben, hier noch ein paar Songs, die nicht in meiner Guilty-Pleasure-Playlist zu finden sind, sondern in meinen All-Time-Favorites: «Dream Odyssey» von MONO, «Oh, It Had To Be You» von den Black Foxxes, «Against the Law» von Donbor.
Was macht dir, neben deiner Kunst, besonders Freude?
Ich habe kürzlich mit dem Tätowieren angefangen, im wunderschönen Pikaia Atelier in Zürich. Tattoos sind einfach so faszinierend, es sind Kunstwerke, die mit einem das Leben teilen, mit einem altern und irgendwann auch mit einem sterben. Das hat einfach etwas Poetisches, finde ich. Eine weitere Leidenschaft ist die Liebe zu Games. Zusammen mit meinem besten Freund Dodo entwickle ich Brettspiele. Wir nennen uns «Lamalandstudios» und legen sehr viel Wert darauf, möglichst alles mit eigenem Handwerk herzustellen. Vom Lasern und Beizen der Holzelemente über das Modellieren und Printen von 3D-Figuren bis hin zum Nähen der Etui-Verpackung.
Hast du ein Lieblingswerk unter deinen Stücken?
Nicht ein einzelnes, aber ich habe schon ein paar Favoriten. Zum Beispiel «Lick 1» mit der Katze, die sich in flagranti beim Putzen erwischt fühlt. Da hatte auch mal wer so Freude an dem Print, dass die Person kurzerhand eine ganze Geburtstagsfeier damit geschmückt hat. Das fand ich mega herzig. Ein anderer Favorit ist das Bild «Raben» An diesem habe ich über 100 Stunden gepünktelt und gestrichelt. Eine Biene fand mein Bild aber weniger toll, sie hat sich dann einfach quer darüber entleert, haha. Wohl ein Risiko, das man in Kauf nehmen muss, wenn man im Sommer draussen zeichnet.
Unsere Leser werden nun einen Monat lang jeden Morgen deine Bilder in ihrem Posteingang finden. Möchtest du ihnen etwas mitgeben?
Kürzlich habe ich irgendwo gelesen: «Es ist eigentlich ziemlich punk von dir, dich in einer Welt auszuruhen, die von deiner Erschöpfung profitiert.» Und das stimmt. Lasst euch nicht hetzen und herumjagen oder Wörter wie «Effizienz» und «Geschwindigkeit» hinterherwerfen. Nehmt euch Zeit. Zeit, etwas Neues zu lernen – Zeichnen, Tätowieren, eine neue Sprache, ein Instrument, entwerft Spiele, lernt Moosarten kennen und beobachtet Vögel – egal was, Hauptsache, es tut euch im Herzen gut.
