
Eye Candy im September: Michael Joss
Hallo Michi, magst du dich kurz vorstellen und etwas zu deinem Werdegang erzählen?
Seit ich mich erinnern kann, habe ich immer gezeichnet. Durch die Skate- und Punkrock-Szene kam ich dann in Kontakt mit Tätowierungen. Es war Liebe auf den ersten Blick. Mit 15 Jahren wusste ich schon, dass ich einmal Tätowierer werden wollte. Nach der Schule habe ich dann aber zuerst eine Lehre als Automatiker gemacht und später an der ZHdK Industrial Design studiert. An meinem 25. Geburtstag habe ich dann entschieden, mein Studium abzubrechen. Ich wusste ja schon längst, was ich eigentlich machen möchte, und habe mich endlich ready gefühlt, mit dem Tätowieren zu starten.
Offiziell ist Tätowierer kein Ausbildungsberuf. Aber ich hatte Glück, ein Studio zu finden, in dem ich alles von Anfang an lernen konnte. Das war definitiv keine leichte Zeit, ein bisschen wie bei Karate Kid, aber ich habe wahnsinnig viel gelernt. Nach zwei Jahren Ausbildung bin ich dann weitergezogen, und seit acht Jahren führe ich zusammen mit Basil Girard das Tattoostudio «Birmensdorferstrasse 37»
Wo bist du daheim?
Mein Studio ist in Wiedikon, Zürich. Unvorteilhafterweise wird es jedoch im Februar 2027 abgerissen. Mit meiner neuen Geschäftspartnerin Flurina Gretener suche ich nun etwas in einer ähnlichen Grösse in Zürich.
Und wo fühlst du dich daheim?
Zuhause fühle ich mich definitiv in Zürich. Ich bin in der Agglomeration aufgewachsen, habe aber schon immer viel Zeit in der Stadt verbracht. Ich mag es sehr, dass Zürich so international und vielfältig ist und die Natur trotzdem nicht weit entfernt ist.
Wie würdest du deinen Stil beschreiben?
Meinen Stil würde ich als illustratives Blackwork bezeichnen. Ich mochte es schon immer, Flora und Fauna abzubilden. Ich denke, diese Motive sind am zeitlosesten und eignen sich perfekt für Tätowierungen.
Was möchtest du damit auslösen?
Ich mag es, wenn Tätowierungen geheimnisvoll aussehen. Deswegen arbeite ich sehr gerne mit Metaphern, die ich zusammen mit meiner Kundschaft entwickle. Eine Tätowierung ist zwar Schmuck, aber auch etwas sehr Persönliches. In meinen Augen sollte der Inhalt einer Tätowierung nicht für alle lesbar sein.
Welcher Song beflügelt dich?
Im Moment „«Eluvial» von Russian Circles, das wechselt aber ständig.
Was macht dir, neben deiner Kunst, besonders Freude?
Ich geniesse es sehr zu reisen, das lädt mich jedes Mal kreativ auf. Kürzlich war ich eine Woche in Litauen, was mir sehr gefallen hat. Und im Oktober gehe ich wieder nach Japan. Ansonsten mag ich es, alle Arten von Sport zu betreiben: Fahrrad fahren, Fitness oder – seit diesem Sommer – SUP, was mir sehr viel Spass gemacht hat.
Hast du ein Lieblingswerk unter deinen Stücken?
Zurzeit das Harpyien-Backpiece. Der Kunde gab mir sehr viel gestalterische Freiheit. Ich mag das Mystische und auch die Energie, die dieses Motiv mit sich bringt.
Unsere Leser werden nun einen Monat lang jeden Morgen deine Bilder in ihrem Posteingang finden. Möchtest du ihnen etwas mitgeben?
Seid lieb zueinander, trinkt genug Wasser und falls jemand ein freies Ladenlokal in Zürich mit plus/minus 100 m² kennt, bitte melden.
