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15 März 2026
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Inspiriert von: C.M. Spoerri

Inspiriert von: C.M. Spoerri

Dass Fantasy-Literatur hoch bei mir im Kurs steht, überrascht wohl niemand mehr (hier die aktuellen Favoriten). Mein Atem stockt bei wundersamen Erzählungen über Drachen, Zwerge, Dämonen, Greife und Co. Mein Herz jubiliert, wenn ich in Geschichten voller Magie schwelgen und wundersame Wesen auf ihren Abenteuern begleiten kann. Und immer wieder frage ich mich: Was muss eine Person für ein fantastisches Hirn haben, um solche Welten und Geschichten überhaupt zu erdenken? Deswegen habe ich einfach jemanden gefragt, die es wissen muss: die erfolgreiche Zürcher Fantasy-Autorin Corinne Spoerri aka C.M. Spoerri. Sie hat dir und mir mit ihren spannenden Anworten einen kleinen Einblick in ihre Welt, Kopf und Arbeit gewährt.



Stell dich doch kurz in deinen eigenen Worten vor.
Ich bin Corinne, 39 Jahre alt und wohne mit meinem Mann, zwei Maine Coon Katzen und einem Belgischen Schäferhund in der Nähe von Zürich. Ursprünglich habe ich Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Universität Zürich studiert, und promovierte 2013. Seit Frühjahr 2013 schreibe ich und mein erstes Buch «Alia 1: Der magische Zirkel» erschien im März 2014. Ein Jahr später habe ich mich als Autorin selbständig gemacht und im September 2015 dann mit meinem Mann zusammen den Sternensand Verlag gegründet. Dort veröffentlichen wir Belletristik in den Genres Fantasy und Romance.
Boah, ja, das klang jetzt voll seriös, oder? Kein Wort darüber, dass ich stundenlang Playstation zocke, das Haus eigentlich nur verlasse, um mit dem Hund spazieren zu gehen, Cola Light wie andere Kaffee trinke oder meine Haustiere als meine Kinder bezeichne. Prima! Hoffen wir, dass ich diesen guten ersten Eindruck mit den nächsten Antworten nicht gleich zunichtemache.

Du schreibst Fantasy-Literatur. Warum hast du dieses Genre gewählt? Und was unterscheidet für dich «Fantasy» von anderen Genres?
Ich schreibe Fantasy und Romance, da ich selbst beide Genres liebe. Bei diesen Büchern kann ich mich einfach fallen lassen und vom Alltag abschalten – sowohl beim Schreiben als auch beim Lesen. Fantasy vergleiche ich gern mit Tiefseetauchen. Man ist lange weg, versinkt tief in fremden Welten und es dauert eine Weile, bis man wieder an der Oberfläche ankommt. Bei Romance kommt es mir wie Schnorcheln vor. Man lässt sich treiben, taucht ab und auf und wird herrlich von den vielen Haien abgelenkt, die um einen schwimmen. Na gut, der Vergleich hinkt etwas… hm… obwohl…

Woher nimmst du die Inspiration für deine Geschichten?
Die Inspiration begleitet mich tagtäglich. Manchmal höre ich ein Lied und es erscheint direkt eine Szene vor meinem inneren Auge (ja, ich habe insgesamt drei Augen). Oder ich sehe einen Film, ein Bild, YouTube-Video, TikTok … und generiere eine Idee in meinem Kopf. Meine Muse ist niemals still, nicht mal in der Nacht. Es kann daher schon vorkommen, dass ich morgens um 2 Uhr aufwache und keine andere Wahl habe, als im Pyjama an den Schreibtisch zu schlurfen, um die Idee, die mich im Traum verfolgt hat, niederzuschreiben. Und ehe ich mich's versehe, zwitschern die Vögel vor dem Fenster. Okay, das kommt sogar erschreckend oft vor… also das mit dem nachts aufstehen. Mein Schlaf-Wach-Rhythmus ist quasi inexistent, seit ich Autorin bin. Aber hey, in welchem Beruf kann man schon im Pyjama arbeiten?

Corinne mit ihrem Hund Aramis

Deine Bücherreihen spielen oft in einer von dir selbst geschaffenen fantastischen Welt namens «Venera». (Wenn ich richtig gezählt habe, sind es 21?!) Wie kann ich mir den Prozess vorstellen, solch eine Welt inkl. der Handlung zu erschaffen?
Insgesamt sind es sogar schon 33 Bücher, die ich veröffentlicht habe. Allesamt mit viel Humor, Drama, Liebe und Herzblut darin. 23x Fantasy, 8x Romance und 2 Anthologien. Und ja, ein Grossteil meiner Geschichten spielt in ein und derselben Welt – ich habe inzwischen ein Universum für meine Romance- und eines für meine Fantasy-Bücher. Weil ich immer wieder Charakteren begegne, deren Vorgeschichte mich interessiert und die ich dann ergründen möchte. Oder ich lerne einen Charakter kennen und denke mir «Gut, du hast mich weniger genervt als die anderen, daher sollst du auch noch dein Happy End bekommen». Tja, so passiert es, dass ich mich regelmässig selbst in meinen Universen verliere. Dabei habe ich zwar das grosse Ganze vor mir, aber gebe mir genügend Freiraum, die Geschichten selbst entstehen zu lassen.

Wie behältst du da den Überblick, denn jedes Buch hat ja hunderte Seiten?
Ich vergleiche es gern mit Geschichten, die dir deine Freund:innen erzählen. Du erinnerst dich doch auch an wesentliche Details von Menschen, die dir etwas bedeuten. Charakterzüge, Eigenheiten und was ihnen wichtig ist, bleiben dir beispielsweise im Gedächtnis. Fabio hat Angst vor Spinnen, Maria liebt Koriander, Stefanie wurde als Kind von einer Eidechse gebissen, Reto ist Linkshänder… Nur, dass ich etwas nachlesen kann, sollte ich mal nicht sicher sein. Aber da ich ohnehin immer mal wieder in meinen Geschichten lese, habe ich meine «imaginären Freunde» im Grunde die ganze Zeit um mich. Jap, das klingt cringe – ich glaube, eine gesunde Portion Merkwürdigkeit gehört beim Schreiben einfach dazu. 

Wie erstellst du die physikalischen Gesetze und Regeln, die dort herrschen?
Das Konzept meines Fantasy-Universums Venera habe ich mir lange überlegt und halte mich seither daran. Es ist eine Mischung aus Realität und Magie. Quasi genug realistisch, um magisch zu sein – oder umgekehrt?

Wie viel Planung steckt hinter einer Geschichte? Oder lässt du dich manchmal auch einfach von der Geschichte leiten?
Ich plane meine Geschichten nie und bin selbst jedes Mal erstaunt, dass dann ein Buch daraus entsteht. Meist «kenne» ich den Ausgang einer Geschichte, aber wie wir (meine Charaktere und ich – ich rede oft in der Mehrzahl von mir, so ein Autoren-Ding – einfach ignorieren bitte) da hinkommen, überlasse ich gänzlich der Kreativität. Das macht das Schreiben für mich auch nicht zur Arbeit, sondern zum Vergnügen. Ich entdecke die Welt zusammen mit meinen Charakteren, lasse mich mit ihnen in die Magie ziehen, die sie umgibt. Zugegeben, die Arbeit kommt dann hinterher schon noch, nämlich beim Lektorat und Überarbeiten des Textes. Meine Devise ist: Ich schreibe für mich selbst – überarbeiten tue ich dann für meine Leser:innen

Corinne bei der Arbeit

Weisst du immer, wie eine Geschichte endet, bevor du angefangen hast?
Ja, das Ende kenne ich immer – das WIE ist das Interessante. Und ab und an lasse ich Enden auch ein bisschen anders ausgehen als geplant. Wenn meine Charaktere überzeugende Argumente haben, beispielsweise. Und die sind gut darin, sich Sachen auszudenken, um ihrem Schicksal eine Wendung zu geben, die so nicht für sie vorgesehen war. Glaub mir!

Prägen dich die Figuren und Wesen, die du selbst erschaffst, auch persönlich?
Jede Figur besitzt einen Teil von mir. Jede Figur ist damit Teil meiner Seele. Vieles lerne ich mit ihnen dazu und ja, das prägt mich auf dem Weg des Autorendaseins auf jeden Fall. Hach schön, wenn ich so drüber nachdenke…

Apropos Figuren: Welche mystischen Wesen sind deine Favoriten? Drachen? Greifen? Elfen? Oder Zwerge? Oder was ganz anderes?
Hm, das ist eine schwierige Frage. Im Moment haben es mir Greife angetan, da diese sich mit den Magier:innen meiner Welt verbinden können und mit ihnen in Form von Bildern gedanklich kommunizieren. Wenn ein Greif sich einmal mit eine:r Magier:in vereint hat, bleibt diese Verbindung ein Leben lang. Zudem können Greife die Magie der Menschen verstärken – ja, einen Greif zu haben, wäre schon cool. Obwohl die grossen Fleischportionen, die diese Tiere verschlingen, mich wohl in den Ruin treiben würden.

Und hast du auch einen Lieblingscharakter?
Noch so eine schwierige Frage, entschuldige, die Antwort wird jetzt wieder etwas länger. Erstmal: Ich liebe alle meine Charaktere – sogar die Antagonisten. Aber am meisten haben es mir im Moment im Romance-Bereich mein New-Yorker-Pärchen Hannes Schmidt (ein quirliger Kunsthändler mit deutschen Wurzeln) und Angel de Flores (ein vom Krieg gezeichneter Ex Navy SEAL) angetan, die in «Angel: Dein Weg zu mir» ihre humorvoll-sinnlich-dramatische Geschichte erzählen dürfen. Und im Fantasy-Bereich mein attraktiver Elfenkapitän Maryo Vadorís, der nie um einen Spruch verlegen ist und dadurch nicht nur meine Leser:innen, sondern auch mich hervorragend zu unterhalten weiß. Das bleibt jetzt aber unter uns, gell? Sein Ego braucht nicht noch einen grösseren Boost, sonst passt er damit durch keinen Türrahmen mehr und ich muss alle Häuser meines Fantasy-Universums umbauen lassen.

Du hast mit summa cum laude in Psychologie promoviert. Hilft dir dein Wissen in Psychologie beim Schreiben, wie beispielsweise Figuren untereinander agieren?
Ja, ich glaube, dadurch, dass ich mich sehr lange mit Menschen beschäftigt habe, fällt es mir einfacher, sie auch imaginär miteinander interagieren zu lassen. Ich erhalte oft die Rückmeldung, dass meine Leser:innen meine Geschichten mögen, weil ich keine allwissenden Superheld:innen, sondern Charaktere mit Ecken und Kanten erschaffe. Figuren, die man liebt, hasst, verwünscht, betrauert, verachtet, vergöttert … mit denen man die Emotionen also miterlebt, weil man sich mit ihnen identifizieren kann, oder eben auch nicht. Keiner meiner Charaktere ist perfekt, sie alle machen Fehler (sonst gäbe es die eine oder andere Geschichte erst gar nicht) und lernen daraus, entwickeln sich weiter, wachsen an den Herausforderungen, die ich in ihre erdachten Leben pflanze. Ich bin manchmal selbst überrascht, wie einige die ihnen auferlegten Aufgaben angehen und wie sie darauf reagieren – da sind wir wieder bei der Magie, die das Schreiben für mich ausmacht: Die Interaktion mit den Charakteren ist für mich einfach ein Spass und genau das liebe ich an dieser Arbeit.

Corinne mit ihren Büchern an einer Buchmesse

Und wenn du keine Schriftstellerin geworden wärst: was wäre sonst dein Traumjob?
Verlegerin. Im Ernst, ich bin unendlich froh, dass ich meine Liebe zu Büchern zum Beruf machen konnte. Ja, ich habe auch meinen Psychotherapie-Job gemocht, aber das Schreiben ist einfach Erfüllung.

Nun zu etwas ganz anderem: Du lebst in der Nähe von Zürich. Was sind deine Lieblingsorte in der Stadt?
Oh, da gibt es einige: Ich mag die Altstadt von Zürich sehr, aber auch die Seepromenaden – den See allgemein. Und das Landesmuseum! Das Gebäude ist der Wahnsinn und triggert einfach meine Fantasie. Mit vielen Orten in der Stadt verbinde ich zudem Erinnerungen an meine Zeit als Studentin an der Universität Zürich.

Was ist dein Lieblingsrestaurant in Zürich?
In der Stadt Zürich gibt es so viele tolle Restaurants, da fällt es echt schwer, sich zu entscheiden. Ein Ort, an den ich immer sehr gern gehe, ist allerdings das D-Vino an der Bahnhofstrasse. Wein, gutes Essen, coole Atmosphäre – das ist mein Ding.

Was ist dein Lieblingsessen?
Alles, was italienisch ist.

Wo findest du Magie im Alltag?
Überall. :-)

Und zum Abschluss: Wenn du einen Wunsch frei hättest, was würdest du dir wünschen?
In Bezug auf mein Autorendasein? Dass alle meine Bücher genauso verfilmt werden, wie ich sie in meinem Kopf habe – oh, das wäre so genial, anderen zu zeigen, was da oben alles los ist. Na gut, vielleicht ist es besser, dass keine Filme darüber existieren. Das Chaos erst mal zu ordnen, würde Jahrzehnte dauern und so viel Geduld würde wohl kein:e Schauspieler:in, geschweige denn ein: Produzent:in aufbringen… lassen wir die Magie also dort, wo sie auch bisher gut aufgehoben war: In meinem Kopf – und den Köpfen derjenigen Leser:innen, die mit mir zusammen aus dem Alltag entfliehen möchten.

Danke,liebe Corinne, für das ehrliche, authentische und sehr unterhalthsame Gespräch.♥