
Märchen, Met und Mandelduft – Entdeckungen auf Schloss Grandson
Mittelalterfest auf dem Schloss Grandson
Wann: Samstag, 8. August 2026 (14 bis 23 Uhr) und Sonntag, 9. August 2026 (10 bis 17 Uhr)
Wo: Place du Château 12, 1422 Grandson
Anreise: mit ÖV (SBB-Bahnhof 7 Min. zu Fuss), kaum Parkplätze vor Ort
Veranstalter: Les Amis du Château de Grandson (AACG)
Begib dich auf eine Zeitreise
Am 8. und 9. August 2026 kannst du in Grandson rund 550 Jahre zurückreisen: Der Schlossplatz wird zum mittelalterlichen Markt voller Musik und fröhlicher Troubadurtänze. Hier kannst du mittelalterliche Köstlichkeiten probieren, dich im Bogenschiessen und Axtwerfen versuchen, Honigwein degustieren, Märchen lauschen und überraschende Vorführungen erleben.
Die Festung im Hintergrund gehört der Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte (SKKG); das Schloss Grandson wurde die letzten 15 Jahre intensiv restauriert und renoviert. Aus diesem Grund erweckt der Freiwilligenverein «Les Amis du Château de Grandson» sein beliebtes Mittelalterfest wieder im herausgeputzten Schloss selbst zum Leben.
Städtchen am See
Grandson liegt direkt am Wasser, sieben Gehminuten vom Bahnhof, und von Bern oder Lausanne bist du in einer guten Stunde da. Vor oder nach dem Mittelaltermarkt lohnt sich ein Bummel durch das mittelalterliche Städtchen und für Abkühlung sorgt ein Sprung in den Neuenburgersee. Das Schloss Grandson ist aber nicht nur während der Sommermonate geöffnet – besuchen kannst du es das ganze Jahr über.
Tausend Jahre Geschichte auf vier Etagen
Im Innern des Schlosses wartet die neue Dauerausstellung «Grandson: 1000 ans d'histoire»: vier Etagen, 15 Räume, tausend Jahre. Drei Leitfragen führen dich hindurch: Warum ein so grosses Schloss? Wie hat Grandson Geschichte geschrieben? Wer braucht heute überhaupt noch ein Schloss? Dazwischen: ein Spiegelsaal voller Schlachtbeute, ein animiertes Geländemodell, Klangwelten und Figuren, die aus den Bildern des mittelalterlichen Schweizer Chronisten Diebold Schiling herausgetreten scheinen. Wer Heldenkitsch erwartet, wird angenehm überrascht – die Ausstellung räumt mit dem Nationalmythos auf, statt ihn zu polieren.
Tüfteln und Staunen
Ein Sinnesparcours für Zwei- bis Achtjährige folgt den Spuren von neun Tieren, mit Holzboxen zum Tasten und Staunen. Schulklassen können in interaktiven Werkstätten tüfteln, Familien und Gruppen auf Führung gehen. Und weil Kultur für alle da sein soll, sind drei Viertel des Rundgangs rollstuhlgängig.
Ein Blick ins Geschichtsbuch
Das Schloss von Grandson zählt zu den besterhaltenen mittelalterlichen Festungen der Schweiz. Hier verlor Karl der Kühne viel mehr als nur seinen goldenen Hut, als ihn die Eidgenossen am 2. März 1476 schlugen. Der Herzog von Burgund erlitt damit die erste von drei grossen Niederlagen, die seinen Sturz besiegelten und die Machtverhältnisse in Europa verschoben. Nicht zufällig fällt das Fest also ins Jahr 2026: Die ganze Region feiert «Grandson-Morat 2026», das 550-Jahr-Gedenken an die Schlachten von Grandson und Murten. Ein geschichtsträchtiger Ort also, dieses Grandson, und definitiv einen Besuch wert.
Des Herzogs Hut
Ein Schmuckstück für den Kopf, gemacht aus Gold, über und über bestückt mit Juwelen, Edelsteinen und Perlen. Was sich anhört wie der Schatz aus einem Märchen, war tatsächlich das «bescheidene» Lieblingsaccessoire Karl des Kühnen. Und dieser Hut ist auf Schloss Grandson zum Greifen nah! Nun, vielleicht nicht ganz – aber in der Ausstellung kannst du die einzige existierende Replika bestaunen und dir ein ganz genaues Bild von dieser Extravaganz machen.
«Wer herkommt, sollte sich Zeit nehmen: für den Schlosspark, aber auch für die vielen Schönheiten im Innern, die Gemälde und Tapisserien, die Rüstungen, Schnitzereien und Wandmalereien, alle mit grosser Sorgfalt restauriert.»

Drei Fragen an Bettina Stefanini, Direktorin SKKG:
Für jemanden, der zum ersten Mal das Schloss besucht – worauf soll er:sie achten?
«Wer herkommt, sollte sich Zeit nehmen: für den Schlosspark, aber auch für die vielen Schönheiten im Innern, die Gemälde und Tapisserien, die Rüstungen, Schnitzereien und Wandmalereien, alle mit grosser Sorgfalt restauriert. Es freut uns sehr, dass das Schloss wieder lebt – als Ort für Kultur, Geschichte und Begegnung. Dass das gelungen ist, verdanken wir der wunderbaren Zusammenarbeit mit allen Beteiligten. Und wofür wir stehen, wird hier sicht- und greifbar: Kultur soll für alle da sein.»
Was fasziniert dich an Schloss Grandson am Allermeisten?
«Sobald ich in dem Schlosspark ankomme, habe ich das Gefühl, Grandson türme sich vor mir auf: Die Mauern der Wehranlagen wurden im 12. Jahrhundert angelegt und halten seit jeher die Stellung. Diese Präsenz zieht mich als Betrachterin auch heute noch in ihren Bann.»
Das Schloss ist wiedereröffnet – aber wie geht die Geschichte aus deiner Sicht weiter?
«Die Wiedereröffnung ist erst der Anfang. Anfang 2027 kommt das Pförtnerhaus als Bäckerei-Café dazu. Ein Jahr später eröffnet dann das ‹Centre d'Arbalètes› mit rund 350 Armbrüsten aus 2000 Jahren – eine der grössten Sammlungen weltweit. Danach arbeiten Genfer Landschaftsarchitektinnen an einer neuen Umgebungsgestaltung. Wir denken in Generationen: Das Schloss gehört der SKKG seit 1983 und wird von der Fondation du Château de Grandson betrieben. Diesem Ort bleiben wir gemeinsam verbunden.»
Schloss im Schuss
So gut erhalten ist das Schloss übrigens, weil es die letzten 15 Jahre intensiv renoviert und umgebaut wurden. Dahinter steckt das Engagement der SKKG. Die Winterthurer Stiftung möchte damit ein bedeutendes Stück gesamtschweizerisches Gedächtnis bewahren und für alle zugänglich machen. Ganz nach der Devise: Tore auf, Schloss für alle!
Schon seit 2008 wird am Schloss gearbeitet, und von 2012 bis zur Wiedereröffnung legten mehrere hundert Fachleute mit viel Geduld Hand an – Archäologinnen, Historiker, Stuckateurinnen, Schmiede. Schicht um Schicht trugen Restauratorinnen die alte Farbe ab, um zu entscheiden, welcher historische Zustand künftig sichtbar sein soll. Dann wurde behutsam gesichert und ergänzt, statt einfach übermalt. Wer heute durch die Räume geht, sieht das Ergebnis: restaurierte Wandmalereien, Tapisserien und Schnitzereien. Und damit nicht genug: Auch draussen wird umgegraben – ein freigelegter Bach und ein neuer Steg führen vom Schlossturm hinunter zum Neuenburgersee.




