
Random Tipsy Facts (1)

Das waren die Ron Orp-Random Facts von letztem Freitag. Der Vatikan kam auch darin vor. Hold my beer, äh wine ...
Random Tipsy Facts #1
- Der Papst segnet Wein.
Dieser Artikel beschreibt, dass Papst Leo der Vierzehnte die 5000 Flaschen des ersten Jahrgangs seines Weinbergs in Castel Gandolfo segnete. Und warum auch nicht, da war ja mal was mit Wasser zu Wein ... Als ahnungsloser Nicht-Katholik frage ich mich allerdings, mit welchen Worten er die Segnung vollzogen hat. Vielleicht mit diesem Zitat aus der Bibel?

- Der Mensch erfand den Ackerbau und den Städtebau überhaupt erst, um eine regelmässige Versorgung mit Bier und Wein zu sichern – nicht umgekehrt.
In diesem Artikel «The civilising wonders of wine» argumentiert der Kultur- und Getränkejournalist Henry Jeffreys, dass der aktuelle Rückgang des Alkoholkonsums im Westen weit mehr ist als nur ein Gesundheitstrend. Er sieht darin das schleichende Verblassen eines jahrtausendealten, gemeinsamen zivilisatorischen Erbes. Der Autor hält gegen die Denormalisierungspropaganda und zitiert den Philosophen Roger Scruton, für den Wein nicht bloss Teil der Zivilisation ist, sondern die Zivilisation selbst. Jeffreys verweist auf das Buch «Drunk» von Edward Slingerland, das die den Wermutwölfen bekannte These aufstellt: Der Mensch erfand den Ackerbau und den Städtebau überhaupt erst, um eine regelmässige Versorgung mit Bier und Wein zu sichern – nicht umgekehrt. Alkohol wirkte in den ersten grossen menschlichen Siedlungen als unverzichtbarer sozialer Klebstoff, der egoistische Primaten dazu brachte, sich zu entspannen und Fremden zu vertrauen. Jeffreys argumentiert, dass die westliche Literatur, Kunst und Musik ohne Alkohol kaum denkbar wären. Er zieht eine Parallele zur heutigen Zeit: Wenn heute Filmen, Büchern und Popmusik oft die Kreativität fehle, liege das neben Smartphones auch am Mangel an alkoholbefeuerter Geselligkeit. Ausserdem war Alkohol historisch immer der soziale Katalysator für die Partnersuche. Mit dem Rückgang des gemeinsamen Trinkens und dem Siegeszug von Smartphones und Online-Pornografie sinke im Westen auch die Bereitschaft für echte, analoge Intimität – was sich auch in den einbrechenden Geburtenraten widerspiegele. Eine Welt ohne die durch Alkohol befeuerte Geselligkeit wird vielleicht sicherer und produktiver sein, aber sie wird auch deutlich einsamer, isolierter und schlichtweg langweiliger. Jeffreys plädiert dafür, wieder mehr rauszugehen, sich in Pubs und Bars zu treffen, miteinander zu flirten und zu diskutieren – weil der ständige, ungezwungene menschliche Austausch die eigentliche Triebfeder unserer Kultur ist.

Das Schützengarten-Inserat rechts in einer falstaff-Printausgabe fand meine Aufmerksamkeit
- Bier kann isotonisch sein - muss aber nicht.
Ein Getränk gilt als isotonisch, wenn es die gleiche Konzentration an gelösten Teilchen (wie Mineralstoffe, Vitamine und Kohlenhydrate) besitzt wie unser menschliches Blut – das sind etwa 280 bis 300 mosmol/Liter. Weil das Druckverhältnis dadurch ausgeglichen ist, kann der Körper die Flüssigkeit und die Nährstoffe besonders schnell und ohne energetischen Aufwand im Darm aufnehmen. Fällt der Alkohol weg, wandert das Zusammenspiel aus Wasser, Hopfen und Malz natürlicherweise sehr nah an den isotonischen Bereich heran. Die enthaltenen Mineralstoffe (wie Magnesium und Kalium) sowie die leicht verdaulichen Kohlenhydrate machen es zu einem echten Regenerationsgetränk. Selbst bei den alkoholfreien Varianten ist nicht jedes Bier automatisch isotonisch. Einige Sorten (vor allem süssliche Malzbiere oder manche alkoholfreie Craft-Biere) enthalten zu viel Restsüsse und sind dadurch immer noch hypertonisch.

- Die Abnehmspritzen setzen der Gastronomie und der Alkoholbranche massiv zu
Dieser Artikel aus «The Drinks Business» beschreibt detailliert, wie der Boom von Abnehmspritzen (GLP-1-Medikamente wie Ozempic, Wegovy und Mounjaro) die Gastronomie- und Alkoholbranche in Grossbritannien massiv unter Druck setzt. In Grossbritannien nutzen bereits 4 bis 7 % der Erwachsenen (ca. 2,1 bis 3,7 Millionen Menschen) diese Medikamente zur Gewichtsreduktion. Die Nutzerzahlen verdoppeln sich von Jahr zu Jahr. Die Medikamente verlangsamen die Verdauung und dämpfen das Belohnungszentrum im Gehirn, was Heisshunger und auch die Lust auf Alkohol bremst. 39 % der Nutzer trinken seit Beginn der Behandlung generell weniger Alkohol; 23 % trinken gezielt weniger, wenn sie ausgehen. Zudem konsumieren 33 % weniger kohlensäurehaltige Softdrinks. Da rund 24 % der britischen Erwachsenen angeben, dass sie die Nutzung solcher Medikamente für die Zukunft in Betracht ziehen, steht die Gastronomie vor einem dauerhaften Wandel.

- Früher wurde erfolgreich gegen höhere Bierpreise rebelliert.
Dieser Instagram-Post thematisiert den Frankfurter Bierkrawall von 1873. Die Frankfurter Bierbrauereien erhöhten den Bierpreis von 4 auf 4 1/2 Kreuzer. Es folgen Ausschreitungen. Der Schlachtruf «Mir wolle Batzebier!» (Ein Batze = 4 Kreuzer) hallte von tausenden Protestierenden und Plündernden durch die Gassen. Das Militär schritt ein, woraufhin 20 Menschen ums Leben kamen, auch Unbeteiligte. Die Bierbrauereien zogen darauf die Preiserhöhung zurück.
In diesem Weekend-Briefing hat es bei Interesse noch mehr solche Geschichten drin, zum Beispiel über ein Pub in einem Lidl, ein Champagner-Drive-In und mehr ... Cheers!
