
Ron macht die Schweiz effizienter – und schafft dabei Jobs
Letztens stand ich geschlagene zwanzig Minuten Schlange, nur um zu erfahren, dass ich am falschen Schalter bin. Der richtige befand sich im selben Gebäude, allerdings in einem anderen Stockwerk, mit anderen Öffnungszeiten und einer eigenen Wartenummer. Als ich dort ankam, war natürlich Mittagspause. Auf dem Heimweg dachte ich mir: Dieses Land funktioniert erstaunlich gut, aber an ein paar Stellen knirscht es doch gewaltig.
Was, wenn es Jobs gäbe, die genau diese Stellen schmieren? Nicht noch mehr Bürokratie, sondern weniger davon. Keine weiteren Ämter, sondern Leute und Jobs, die den ganzen Apparat menschenfreundlicher machen. Hier sind meine Vorschläge.
Bundesbern, die Rechnung schicke ich separat.
ÖV-Instruktor:in
Öffentlicher Verkehr existiert seit dem frühen 19. Jahrhundert und man sollte meinen, dass unterdessen alle gecheckt haben, wie man sich im Tram, Bus oder Zug verhält. Ist aber nicht so. Rucksäcke auf Sitzen zwingen mich zum Stehenbleiben, der Typ bei der Tür merkt auch beim dritten «Beeeeeeep» nicht, dass er den Sensor blockiert, und einige Egoman:innen finden, dass der Haltestellenbereich der ideale Ort ist, um stehenzubleiben und ein Schwätzchen zu halten.
ÖV-Instruktor:innen begleiten in den Stosszeiten Bus und Tram und greifen dort ein, wo der gesunde Menschenverstand offenbar Feierabend gemacht hat. Freundlich, aber bestimmt. Kein Bussgeld, keine Moralpredigt – einfach ein ruhiges: «Ihr Rucksack hätte gerne einen eigenen Sitzplatz, aber der gehört leider der Dame hinter Ihnen.» Dazu ein paar saisonale Aufklärungskampagnen, im Winter etwa: «Nasse Schirme gehören nach unten, nicht auf den Nebensitz».
Abfallsack-Sortierer:in
In der Schweiz sehen wir uns gerne als Recycling-Weltmeister:innen und mit einer Recyclingquote von über 50% stimmt das auch. ABER: Unser Gesamtabfall-Volumen gehört zu den höchsten Europas, was diesen Wert ziemlich relativiert. Wer regelmässig an den Sammelcontainern vorbeischaut, weiss, dass diese nach dem Motto «Freestyle» gefüllt werden.
Darum brauchen wir Abfallsack-Sortierer:innen. Die Fachleute kämpfen sich durch die Kehrichtsäcke und ordnen fehlplatzierten Müll der richtigen Stelle zu. Das ist kein undankbarer Job, sondern einer, der unmittelbar sichtbar macht, was richtig sortierter Abfall bewirkt: weniger Verschmutzung in den Recycling-Kreisläufen, weniger Ressourcenverschwendung und Sammelstellen, an denen man sich nicht schämen muss.
Natürlich wäre es schön, wenn wir alle das selbst erledigen würden, aber ganz ehrlich: Da bin ich wenig optimistisch.
Du willst nicht nur aufräumen, sondern gleich richtig mitmischen? Der Studiengang MSc Public Management der ZHAW bietet dafür die perfekte Grundlage.
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Steuer- und Finanzbeistand
Ich habe in der Schule gelernt, wie man gleichschenklige Dreiecke zeichnet und was irrationale Zahlen sind. Wie man eine Steuererklärung ausfüllt oder ein budgetoptimiertes Leben führt, gehörte allerdings nicht zum Lehrplan.
Der Steuer- und Finanzbeistand ist eine kostenfreie Anlaufstelle für alle monetären Fragen – von der Steuererklärung über die Säule 3a bis hin zu «Wie zur Hölle funktioniert ein Amortisationsplan?». Man könnte argumentieren, dass dies die Aufgabe der Eltern ist, aber viele ältere Generationen plagen sich mit den gleichen Unklarheiten.
Die Wohnungssuche ist schon schwierig genug, auch ohne Betreibung, die man sich hätte sparen können, wenn einem jemand mal erklärt hätte, wie Ratenzahlung funktioniert.
Baustellen-Koordinator:in
Müssen sämtliche Gleisarbeiten, Rohrsanierungen und Asphaltrenovationen zur gleichen Zeit stattfinden? Das ist keine rhetorische Frage, ich würde das wirklich gerne wissen, weil sich die Stadt oftmals wie eine einzige Grossbaustelle anfühlt.
Baustellen-Koordinator:innen hätten den Gesamtüberblick und sorgen dafür, dass nicht alle gleichzeitig buddeln. Sie stimmen Projekte aufeinander ab, staffeln Sperrungen und stellen sicher, dass mindestens ein begehbarer Weg durch jedes Quartier führt. Klingt banal, passiert aber offensichtlich nicht von allein.
Bonuspunkt: Sie informieren die Anwohner:innen proaktiv und verständlich. Also nicht per Amtsblatt, das eh niemand liest, sondern so, dass man's tatsächlich mitbekommt.

Frust-Melder:in
Jede:r kennt diese kleinen Alltagsärgernisse, die zu unbedeutend sind, um sich offiziell zu beschweren, sich aber trotzdem täglich summieren: Der Trinkbrunnen, der seit Monaten leckt. Die Ampelschaltung, die für niemanden Sinn ergibt. Der Veloständer, an dem seit einem halben Jahr ein herrenloses Wrack angekettet ist. Frust-Melder:innen sammeln systematisch diesen Alltagsfrust aus der Bevölkerung und übersetzen ihn in konkrete Prozessverbesserungen. Sie sind in den Quartieren unterwegs, nehmen Rückmeldungen entgegen und sorgen dafür, dass die Anliegen bei den richtigen Stellen landen.
Der Unterschied zum bestehenden Beschwerde-Management: Frust-Melder:innen reagieren sofort und ohne bürokratischen Marathon.
«Hey, da an der Ampel bei der Kreuzung Zweierstrasse/Zentralstrasse ist seit Monaten ein Schrottvelo angekettet.»
«Null problemo, wird heute noch erledigt.»
Bis für die hier gelisteten Jobs eine Stelle frei wird, braucht es noch etwas Geduld. Du kannst aber jetzt schon die Weichen für eine erfolgreiche berufliche Zukunft stellen. Der Studiengang MSc Public Management der ZHAW bietet die beste Basis – für alle, die die Zukunft unseres Zusammenlebens aktiv mitgestalten wollen.
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Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit der ZHAW School of Management and Law entstanden.