Sechs Badis, sechs Spezies: Ein Feldführer für Zürcher Beckenrand-Anthropologie
Bild: Unsplash/Brian Matangelo

Sechs Badis, sechs Spezies: Ein Feldführer für Zürcher Beckenrand-Anthropologie

Freibad Allenmoos: Marco, 34, hatte mal Probetraining beim VBC Volero
Schatten, Kabinen für ein halbes Quartier und ein Volleyballfeld, auf dem sich Männer gegenseitig abklatschen, als hätten sie gerade die Sowjets im Eishockey besiegt. Einer davon ist Marco. Zwischen den Punkten erklärt er einer 19-Jährigen den Unterschied zwischen Pancake und Bagger. Sie nickt höflich. Marco hat seit 2014 nicht mehr gespielt, aber heute, im Allenmoos, ist er nochmal ganz nah dran am grossen Wurf.

 

Flussbad Unterer Letten: Lou, 27, Kuratorin in Ausbildung
Lou war um 8.47 Uhr da, das Badetuch ist aus Argentinien, die Sonnenbrille von einer Marke, die du nicht kennst. Sie liest Annie Ernaux auf Französisch und trinkt Mate aus der Glasflasche, weil PET für sie nicht in Frage kommt. Ins Wasser ist sie heute nicht. Schwimmen ist nicht der Punkt. Der Punkt ist, dass Felix vom Helsinki vorbeikommt und sie ganz zufällig da sieht.

 

Flussbad Oberer Letten: Felix, 31, hat heute Morgen verschlafen
Felix hatte gestern die Spätschicht im Helsinki und ist nicht rechtzeitig aus dem Bett gekommen. Logisch, dass er da keinen Platz mehr am Unteren Letten findet. Wer zu spät kommt, den bestraft nicht nur das Leben, sondern auch die Liebe.

 

Kein Platz, kein Problem: in Zürich gibt es 18 Sommerbäder und irgendwo findest du immer
noch eine freie Liege. Und das Ticket dafür kaufst du bequem im Online-Shop.

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Bild: zuerich.com

Seebad Katzensee: Reto, 58, Frühpensionär, weiss wie’s läuft
Reto kommt seit 1994 hierher und nennt die Badi seit 1994 «Chatzi». Er wohnt zwar schon seit immer in Wiedikon, vom Trubel der Badis in der Stadt hält er aber nicht viel. «Ich höre lieber Richtige als komische Vögel.», sagt er und lacht. Eintritt gratis, Sonne gratis, Schilf gratis – Reto hat das System geknackt. Wenn du ihn fragst, wo's am schönsten ist, sagt er «det hine».

 

Strandbad Wollishofen: Annika, 36, zwei Kinder, Bugaboo Fox 5
Annika kam mit drei Taschen, einer Kühlbox und einem Buggy, der aussieht wie ein Mondrover und ungefähr gleich viel gekostet hat. Im Picknick: Sauerteigbrot, Hummus mit Granatapfel, irgendwas Fermentiertes für später. Die Kinder heissen Blaupunkt und Lev1 und nein, die «1» ist kein Schreibfehler.

 

Männerbad Schanzengraben: Linus, 41, Architekt, macht gerade Atemübungen
Hier hast du vielleicht den Men’s World-Besucher und IWC-Sammler Clive erwartet, aber stattdessen geht es um Linus – Tote Bag von einem Architekturmuseum in Porto und gerade auf Wim-Hof-Atmung am Beckenrand konzentriert. Stereotypen und keine Klischees. Ja, da gibt es einen Unterschied.

 

Egal wo du wohnst und arbeitest: Der nächste Sprung ins Kühle Nass ist nie weit weg und
die Tickets dafür nur einen Klick entfernt.

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