
Trinkgeschichte(n) - Tod im Weinfass

George Plantagenet, 1. Duke of Clarence, fand auf sehr skurrile Weise einen frühen Tod. (Quelle: Wikipedia.com)
DER KÖNIGLICHE VERRÄTER
George Plantagenet wurde im Jahr 1449 als sechster Sohn des Richard Plantagenet, des dritten Duke of York, geboren. Im Gegensatz zu seinem älteren Bruder Eduard IV. und seinem jüngeren Bruder Richard III. schaffte er es nie zum König von England. Vielmehr wurde er von ihnen vernichtet.
Daran war George allerdings nicht unschuldig. In den berühmten Rosenkriegen zwischen den rivalisierenden englischen Adelshäusern York und Lancaster drehte er sich wie ein Fähnchen im Wind. So kämpfte er einmal mit seinem Bruder Eduard, dann gegen ihn auf der Seite der Feinde, und schliesslich wieder mit ihm.

Eduard IV. von England war von George Plantagenets Seitenwechseln alles andere als begeistert. (Quelle: Wikipedia.com)
BRUDERSTREIT UM DAS NEVILLE-ERBE
Genauso explosiv war sein Verhältnis zum jüngeren Bruder Richard. George entführte sogar dessen zukünftige Ehefrau Anne Neville und versteckte sie in London, damit Richard sie nicht heiraten konnte. Da George mit deren älterer Schwester Isabel Neville verheiratet war, wollte er das gigantische Erbe der Neville-Schwestern nicht mit seinem jüngeren Bruder teilen.
Richard spürte Anne allerdings auf, befreite sie und brachte sie in einer Kirche in Sicherheit. Um dem hässlichen Zwist ein Ende zu setzen, musste schliesslich König Eduard IV. persönlich im Parlament intervenieren und das Erbe per Gesetz aufteilen.

Auch der spätere König Richard III. von England war nicht gut auf seinen Bruder zu sprechen. (Quelle. Wikipedia.com)
VON GIFTMORD UND HEXEN
Doch George war nicht nur gut darin, sich mächtige Feinde zu machen. Er kämpfte zusätzlich mit seinem masslosen Alkoholkonsum und – nach dem frühen Tod seiner Ehefrau Isabel – zunehmend mit seinem Verstand. Gebeutelt von Paranoia, witterte er einen Giftmord. Er entführte eine ehemalige Zofe seiner verstorbenen Frau, klagte sie ohne rechtliche Befugnis in einem Schauprozess der Vergiftung an und liess sie hängen.
Damit nicht genug: In seinem Wahnsinn beschuldigte George im Anschluss die Königin – die Frau seines Bruders Eduard – öffentlich der Hexerei. Sie würde mit schwarzer Magie das Volk vergiften.
Damit hatte er die Geduld von Eduard endgültig strapaziert. Eduard klagte George im Jahr 1478 vor dem Parlament wegen Hochverrats an. Er wurde zum Tode verurteilt und am 18. Februar 1478 im Tower von London privat hingerichtet.
Trotz allem soll der König seinem Bruder einen skurrilen letzten Wunsch gewährt haben: George durfte die Art seines Todes selbst wählen. Da er zeitlebens als massloser Genussmensch galt, entschied er sich für das Ertränken in einem riesigen Fass voller Malvasia-Wein – einem schweren, zuckersüssen Luxuswein, der damals aus Griechenland nach London importiert wurde.

George Plantagenet fand den Tod in seinem geliebten Malvasia-Wein. (Quelle: ChatGPT)
UNSTERBLICH DURCH SHAKESPEARE
Ob der Tod im Weinfass tatsächlich Realität oder ein makaberer Witz der Londoner Bevölkerung über Georges Trunksucht war, bleibt ein Geheimnis, denn die Hinrichtung fand im Verborgenen statt. William Shakespeare entschied sich für Ersteres: Er verewigte diese bizarre Exekution durch die Meuchelmörder in seinem Drama «König Richard III.» mit den Versen:
«Take that, and that: if all this will not do, I’ll drown you in the malmsey-butt within.»
