Warum ich gerne 20 Franken für einen doppelten Espresso ausgebe

Warum ich gerne 20 Franken für einen doppelten Espresso ausgebe

Kaffee, das flüchtige Hobby

In solchen Situationen versuche ich mir selbst zu erklären, warum mein Umfeld brüskiert reagiert. Wahrscheinlich liegt es daran, dass die meisten Menschen zwar Kaffee trinken, die wenigsten das aber als Hobby durchgehen lassen. Töfffahren, Fischen oder Stricken, das sind richtige Hobbys. Da darf der neue Auspuff, der neue Köder oder die neuen Stricknadeln auch gerne unverhältnismässig viel kosten. Kaffee aber ist für die meisten ein günstiger Wachmacher.

Zudem scheint Kaffee so flüchtig. Jeder Schluck fünf Franken, schon ist der Spass vorbei. Auspuff, Köder und Nadeln bereiten vermeintlich länger Freude. Dass du für jede Ausfahrt Benzin, für jeden Fang Gebühren und für jeden Schal Wolle kaufen musst, scheint selbstverständlich. Dasselbe gilt bei Kaffee: Die teure Handmühle und die exakte Kaffeewaage sind meine Werkzeuge, die Kaffeebohnen meine laufenden Kosten. So schwer ist das nicht zu verstehen, oder?

Irgendwie ist jedes Hobby unverhältnismässig und das ist das Schöne daran. Freude und Leidenschaft stehen über der Vernunft. Darum plädiere ich dafür, dass du mich mit meinem Hobby in Ruhe lässt.

Simon Balissat schreibt für Ron Orp über Haushalts-Themen, Kulinarik und was ihm sonst noch so in den eigenen vier Wänden auffällt. Hauptberuflich haut er für Galaxus in die Tasten und seine Stimme gibt’s im «uftischt»-Podcast zu hören.