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Worte der Not: Armut in der Literatur

Worte der Not: Armut in der Literatur

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«Der dunkle Fluss» (Chigozie Obiomas, 2015)

In Chigozie Obiomas Debütroman beschliessen vier nigerianische Brüder, in einem verbotenen Fluss zu fischen. Wie kolossal schlecht diese Idee war, hält Obioma auf 313 brutalen Seiten fest, wo er eindringlich die scheinbar unendliche Tragödie seines Heimatlandes Nigeria mit der Chronologie eines Familiendramas verspinnt. «Der dunkle Fluss» inszeniert die Konsequenzen einer archaischen Sozialpolitik in einem Land, in dem Traditionen, Mythen und Riten bis heute das Leben bestimmen und Fortschritt nur in Zeitlupe zu existieren scheint.

 

«Oliver Twist» (Charles Dickens, 1838)

Der Klassiker schlechthin zum Thema. Charles Dickens’ wilder Ritt durch das viktorianische London erzählt die Geschichte des rastlosen jungen Oliver Twist, der die Frechheit hatte, nach ein bisschen mehr Haferschleim zu fragen. Dickens entwirft hier ein scharf gezeichnetes Porträt der Armut, das zwischen Bedrückung und subtilem Humor oszilliert. Die Message kommt mit der Subtilität von einem Bohrhammer: «Sieh genau hin – hier verläuft die Kluft zwischen Arm und Reich!»

 

 

Weltweit sind auch heute noch Millionen von Menschen von Armut betroffen. Erfahre, wie Caritas Schweiz Menschen in prekären Lebenssituationen dabei unterstützt, ihre Existenzgrundlage zu verbessern. 
>> Neue Lösungen für ein altes Problem <<

 

 

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«Salvage the Bones» (Jesmyn Ward, 2011)

Amerikas Arbeiterklasse liefert bedauerlicherweise Storys en masse zum Thema. Eine besonders Eindrückliche erzählt der zweite Roman von Jesmyn Ward. Sie gibt der 15-jährigen Esch eine Stimme, deren komplizierte Familie mit allerlei persönlichen Dramen kämpft, während gleichzeitig der Jahrhundertsturm Katarina aufzieht. Dem drohenden Desaster begegnet sie mit Cleverness, Loyalität und einer unerschütterlichen Liebe zu ihrem Pitbull China. Ward zeichnet ein düster-poetisches Bild von Durchhaltevermögen, verpackt in Prosa, die bis auf die Knochen geht. «Salvage the Bones» handelt nicht nur vom Überstehen einer Naturkatastrophe, sondern auch davon, inmitten des Chaos eine unerwartete Schönheit zu finden.

 

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«Neverwhere» (Neil Gaiman, 1996)

«Neverwhere» von Neil Gaiman führt dich in ein dunkles, fantastisches London, das Armut auf ebenso kreative wie bedrückende Weise erforscht. Hier fallen die Menschen wortwörtlich durch die Ritzen der Gesellschaft – hinein in das «London Below», eine geheimnisvolle Unterwelt, bevölkert von den Randständigen und Vergessenen. Mit diesem surrealen Setting hält Gaiman der Gesellschaft einen Spiegel vor und zeigt, wie die Obdachlosen und Verarmten oft übersehen oder gar unsichtbar gemacht werde. Sein Blick auf Armut geht dabei weit über simples Mitleid hinaus. Die fantasievolle Erweiterung fügt eine düstere, dystopische Perspektive hinzu und legt offen, wie sehr unsere gesellschaftlichen Strukturen und deren Gleichgültigkeit das Leid der Armen verschärfen.

 

«Die schwarzen Brüder» (Lisa Tetzner und Kurt Held, 1940/41)

Lisa Tetzner und ihr Mann Kurt Held sind zwar gleichermassen deutsch-schweizerische Doppelbürger, aber ich beanspruche ihr kollektives Werk «Die schwarzen Brüder» jetzt einfach mal als Schweizer Kulturgut. Protagonist der Tragödie ist der Tessiner Bub Giorgio, dessen Mutter wahrscheinlich nicht in die Endrunde der Wahl zum «Mami des Jahres» kommt. Als diese sich nämlich den Fuss verletzt, verkauft sie den kleinen Giorgio an einen zwielichtigen Typen, um für die Arztrechnungen zu bezahlen. Es folgt eine Zwangsumsiedlung nach Mailand, wo Giorgio gemeinsam mit anderen Kindern als Kaminfeger ausgebeutet wird. Die Jungs sind kaum mehr als Schatten, bis sie beschliessen, der Sache einen Strich durch den Russ zu ziehen und sich zu den «Schwarzen Brüdern» zusammenzuschliessen. Vive la révolution!

 

 

In der Schweiz sind mehr als 700'000 Menschen von Armut betroffen. Fast genau so viele leben nur ganz knapp über der Armutsgrenze. Vielfältige Angebote bieten betroffenen Menschen Unterstützung dabei, ihre Situation besser zu meistern und einen Weg aus der Armut zu finden. 
>> Hilfe, die ankommt <<

 

 

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«Arminuta» (Donatella Di Pietrantonio, 2018)

Sie nennen sie Arminuta, zu Deutsch «Zurückgekommene». Einen echten Namen bekommt das Mädchen in Donatella di Pietrantonios Novelle nicht, aber das ist nicht das Einzige, auf was sie verzichten muss, als sie plötzlich aus ihrem gewohnten Leben gerissen und in eine völlig fremde Welt geworfen wird. Die Eltern, die sie grossgezogen haben, sind plötzlich weg - stattdessen wartet eine neue Familie auf sie: laut, chaotisch und bitterarm. Di Pietrantonio zeichnet mit scharfem Blick und subtilen Humor das Porträt eines Mädchens, das lernt, wie man sich neu erfindet, ohne sich selbst zu verlieren.

 

«Lost Fatherland» (Iryna Vushko, 2024)

Iryna Vushkos «Lost Fatherland» liefert eine kompakte Chronologie über den Wandel (Ost-)Europas im Industriezeitalter. In eine Zeit, in der Nationalismus und Grenzverschiebungen den Nährboden für Identitätskrisen schufen. Vushko zeigt, wie der Zusammenbruch des Imperiums und andere politische Erdbeben die Menschen in ihren neuen «Heimatländern» stranden liessen, oft ohne wirtschaftliche Grundlage. Ganze Regionen wurden in Instabilität und Arbeitslosigkeit gestürzt - die Konsequenzen davon sind bis heute spürbar. Vushkos Buch handelt zwar von vergangenen Zeiten, zeigt aber auf beängstigende Weise, wie lange die politische Kurzsichtigkeit nachhallt. Ich sage: «Wer sich seiner Vergangenheit nicht erinnert, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.»

 

 

Weltweit nehmen die humanitären Bedürfnisse stetig zu. Unzählige Menschen befinden sich
aufgrund von Krisen, Kriegen, Katastrophen und dem Klimawandel in Not. Caritas Schweiz leistet Überlebenshilfe für Betroffene.

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